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Redaktions-Blog

15:55 Uhr | 26.08.2022

Warum könnten wir den Klimawettlauf verlieren?

Als Autor deses Beitrages befand ich mich auf dem Weg zu einem geschäftlichen Termin nach Leipzig. Von Altenburg aus hat man mehrere Möglichkeiten. Man setzt sich in den PKW und düst in die Großstadt oder man nimmt die S-Bahn und befindet sich, knapp 40 Minuten später, im Zentrum Leipzigs. Dabei kann man die Zeit arbeitenderweise besser nutzen als hinter dem Steuer eines KFZ. Das noch aktuelle 9-Euro-Ticket macht die Entscheidung leicht.

Nun soll dies kein Beitrag zur unsäglich Umsetzung des Behelfsbahnsteiges durch die Bahn werden, davon gibt es genug. Wenngleich das sich Drängen der Bahnnutzer in den zwei kleinen schattigen Fleckchen nicht unerwähnt bleiben sollte. Auch, dass die Anzeigetafel ausgefallen ist, soll die Fahrfreude nicht trüben, immerhin will ich Klimaschutz mit Arbeitseffizienz verbinden. 

Die S5x rollt pünktlich in Altenburg ein. Allerdings trifft hier ein überfüllter einzelner Triebwagen auf einen vollen Bahnsteig. Noch bei der Einfahrt ruft ein Mitarbeiter der DB aus einer offenen Tür des Zuges, dass, wer keinen Termin habe, mit dem in einer halben Stunde folgenden Doppelzug mitfahren könne. Von "können" kann dabei kaum die Rede sein, denn die Tür, die sich vor mir öffnet, lässt kein Zusteigen zu. Eng an eng gedrängt blicken mich leidende Gesicher hinter Schutzmasken an. Ob diese Masken hier noch gegen Omikron helfen dürfte bezweifelt werden. Also heißt es auf die nächste S-Bahn warten. Dies wird die deutlich langsamere S5 sein, aber wer bin ich schon, dass ich mir den Zug selbst aussuchen könnte. Nein, die DB Regio schreibt mir nun einmal vor, wo ich mitfahren darf und wo nicht. 

Beim Checken der weiteren Verbindung mit der MOOVME-App des MDV zeigt mir diese auch den Normalpreis der einzelnen Fahrt mit 10,10 Euro an. Ja, ich weiß, der MDV gehört zu einem der teuersten Verkehrsverbünde in Deutschland. Den 20,20 Euro für Hin- und Rückfahrt stehen 16 Euro Kosten für den PKW (nach Bundesreisekostengesetz) gegenüber. Während mein betriebswirtschaftliches Gehirn nach dem Vorteil der Bahn sucht, durchfährt ein Güterzug den Altenburger Bahnhof, dessen Aufschrift auf der Lok auf die Klimafreundlichkeit der Bahn hinweist. Ach ja, auch dies kann der Grund sein, vier Euro mehr auszugeben. Dass genau diese Lok Waggons mit Kohle und Öl hinter sich herzieht, hat fast etwas Satirisches und ich muss schmunzeln.

Inzwischen hat sich der Bahnsteig wieder mit Leuten gefüllt, die in der Hitze brütend, etwas neidisch auf die nach Zwickau einfahrende S-Bahn blicken. Ein fast leerer Doppelzug steht vor uns und ich dürfte nicht der Einzige sein, der den Tagesdisponenten der DB-Regio gegen die Scheibe des Zuges mit den leeren Sitzen drücken möchte, in der Hoffnung, eine Antwort zu erhalten, was hier nicht zusammen passt. Aber Gewalt liegt mir fern und so konzentriere ich mich auf die Schweißperlen, die inzwischen meinen Rücken herunterlaufen.

Abschließend, ja die Folgebahn war pünktlich. Aus 40 Minuten geplanter Fahrzeit zum Termin sind 90 geworden, die unter normalen Umständen teurer als eine Autofahrt wären. Leider weiß man aus zu vielen Erzählungen, dass dies kein Einzelfall ist. Wenn dies die Antwort auf Klimawandel, Gas- und Ölkrise ist, dann werden in den Altenburger Vorgärten in den nächsten Jahren die ersten Palmen auch überwintern können.

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