Altenburg, 30.10.2026 09:14 Uhr

Kolumne

18:01 Uhr | 03.03.2014

Grüner Daumen im Wahlkampf

Na Gott sei Dank, Altenburg hat sein Wahlkampfthema. Fünf gefällte Bäume am kleinen Teich rücken in den Mittelpunkt des Interesses. Zugegeben, schön sieht es nicht aus und für die Verwaltung sind sie ein Informationsdesaster schlechthin.
Nach Baumbegehungen stellte man in der Verwaltung schon vor Jahren große Schäden bei vielen Bäumen fest. Von 25.000 Gehölzen im Stadtgebiet seien 125 von Pilz oder Schimmelbefall betroffen.
Allein fehlendes Personal sei der Grund gewesen, dass die betroffenen Bäume noch immer standen. Auf Grund des milden Winters habe man nun die personelle Kraft gehabt, das nachzuholen, was man schon längst hätte machen sollen, heißt es aus der Verwaltung.
Der Fehler indes liegt mehr in der Informationspolitik als im gärtnerischen Geschick der Verwaltung. So ist dem Rathaus zwar die Geburt kleiner Zicklein oder Erdmännchen eine Meldung wert, das Abholzen der Bäume wurde aber nicht angekündigt. Auch im Bauausschuss sei nie darüber gesprochen worden.
Genau dafür haben sich Altenburgs Oberbürgermeister und der zuständige Referatsleiter zur letzten Stadtratssitzung entschuldigt und damit wäre die Luft aus dem Wahlkampfthema auch wieder raus. Das ist auch gut so, aber die Erregung der Bürger und vor allem der Vertreter von Pro Altenburg, CDU oder FDP sollte man genauer unter die Lupe nehmen.
Als im Zuge des Baus des Medicums 8.000 Quadratmeter Stadtwald weichen mussten, fehlten Leserbriefe, Bürgerproteste und Aufregung im Stadtrat komplett. Lediglich votierte, auf Grund des Kahlschlages, das CDU Stadtratsmitglied Dr. Sandy Reichenbach gegen den Bebauungsplan.
Jetzt seien, so Pro Altenburg Vertreter Stefan Nowak, die aktuell abgeholzten Bäume ein Zeichen für das Ende eines grünen Altenburg. Peter Müller brachte sogar ein Bild vom kleinen Teich mit altem Baumbestand mit, welches eine Bürgerin spontan bei ihm abgegeben hätte. FDP-Mann Zschiegner sprach von „Barbarei“ und „Frevel“ an Altenburgs Bäumen.
Zu Erinnerung: das Fällen von 8.000 Quadratmetern städtischen Wald war damals, bis auf eine Ausnahme, nicht einmal eine Nachfrage im Stadtrat wert. Auch als aus dem Roßplan eine Betonwüste wurde oder die Bäume auf dem Markt der Sanierung desselben weichen mussten, von Aufregung keine Spur.
Und so stellt sich die Frage, ob die Entrüstung im Stadtrat nicht eher Kommunal-Wahlkampf als ernst gemeinte Kritik am grünen Daumen der öffentlichen Hand ist. Schade eigentlich, denn ein ernsthaftes kritisches Begleiten des „grünen“ Altenburgs ist wirklich wichtig. Doch die Entrüstung über fünf Bäume, wo man 8.000 Quadratmeter hätte retten können, will da nicht wirklich ins Bild passen.

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