Altenburg, 16.03.2026 22:36 Uhr

Regionales

00:00 Uhr | 19.08.2010

Vorwurf des undemokratischen Verhaltens

Offener Brief an OB

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Michael Wolf,

die Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Thüringer Landtag ist auf Grund der Berichterstattung in überregionalen Zeitschriften auf das geplante Bauvorhaben Areal am Markt der Städtischen Wohnungsgesellschaft Altenburg (SWG) aufmerksam geworden und verfolgt aufmerksam die Debatte. Nach den bekannt gewordenen Fakten ist unser Standpunkt dazu eindeutig und ich möchte Ihnen als Fraktionsvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN diesen nachfolgend erläutern.

Die Stadt Altenburg verfügt über eine beeindruckende innerstädtische Architektur und insbesondere einen städtebaulich einzigartigen Marktplatz. Unzweifelhaft stellt der Bereich „Areal am Markt“ gegenwärtig einen städtebaulichen Missstand dar, deren Sanierung dringend notwendig ist. Der derzeitige Entwurf des Bauvorhabens „Areal am Markt“ hat durch den geplanten Abriss erhaltenswerter Bausubstanz (Gebäude Bei der Brüderkirche 9 und Gebäude Klostergasse 5) jedoch einen nicht wieder gutzumachenden Verlust des historisch einmaligen baukulturellen Erbes der Stadt Altenburg zur Folge.

Mit Sorge stelle ich fest, dass Sie und ihre Verwaltung leerstehende denkmalgeschützte Häuser nur noch als „Schandfleck“ bezeichnen, die möglichst schnell abgerissen werden müssen. Dies sehe ich als eine gefährliche Entwicklung an, denn damit entstehen geschichtslose Allerweltsbauten, die der Stadt Altenburg und deren BürgerInnen nur wenig nutzen. Die Kompromisslösung des Architekten Kottusch, die Fassade des denkmalgeschützten Gebäudes „Bei der Brüderkirche 9“ zu erhalten, ist dabei indiskutabel, denn sie zeugt von denkmalpflegerischen Unverständnis.

Unklar ist mir zudem, wie Sie den Abriss des Gebäudes „Bei der Brüderkirche 9“ durchsetzen wollen, da das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Erfurt keine Abrissgenehmigung erteilen wird. Der geplante Abriss des genannten Gebäudes verstößt damit gegen geltendes Recht und ich teile Ihnen hiermit mit, dass die bündnisgrüne Fraktion im Thüringer Landtag beim Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie dafür eintreten wird, dass Sie keine Genehmigung erhalten werden, da wir durch die Sanierungsarbeiten auch eine nicht wieder gutzumachende Beschädigung der historischen Fassade des Gebäudes „Bei der Brüderkirche 9“ befürchten müssen.

Neben den denkmalpflegerischen Aspekten stelle ich mit allergrößter Sorge demokratische Mängel bei der Durchführung des Bauvorhabens fest. Als undemokratisch empfinde ich vor allem, dass die Bedenken von Fachleuten und BürgerInnen nicht ernst genommen werden und die Öffentlichkeit erst eineinhalb Jahr nach Planungsbeginn in die Planungen des Bauvorhabens einbezogen wurde. Es fehlt darüber hinaus bis heute eine Rahmenplanung als Grundlage aller Überlegungen, obwohl entsprechend planungsrechtlichen Vorgehensweisen zu Beginn einer derartig großen innerstädtischen Baumaßnahme eine übergeordnete Quartiers- und Rahmenplanung stehen muss, um die infrastrukturelle und funktionale Verwebung des Bauvorhabens mit der umgebenden Stadtstruktur zu gewährleisten. Dieses Vorgehen ist nicht akzeptabel und ich frage Sie, wie Sie ihre Vorgehensweise begründen?

Ich kritisiere weiterhin, dass die Öffentlichkeit mehrfach in die Irre geführt wurde. So wurde von der Stadtverwaltung erklärt, nur die Fassade des Gebäudes „Bei der Brüderkirche 9“ sei schützenswert. Nach meinem Kenntnisstand handelt es sich hierbei jedoch um ein barockes Wohn- und Geschäftshaus, dessen Treppenhaus, tonnengewölbter Keller sowie Dachstuhl als höchst schützenswert anzusehen sind. Ebenfalls wenig überzeugend ist das Argument, der Hauptmieter (Konsumgesellschaft Leipzig) könnte sich bei einer Verzögerung des Bauvorhabens zurückziehen. Dieses Argument glaube ich Ihnen nicht. Vielmehr glaube ich, dass Sie mit diesen platten Aussagen die Unwissenheit der BürgerInnen, die ohne architektonisches und stadtplanerisches Hintergrundwissen nur den „Schandfleck“ sehen, zum Zwecke Ihrer Wiederwahl ausnutzen wollen. Dieses Vorgehen empfinde ich als fragwürdig.

Ich bitte Sie um eine Antwort, die die für uns nicht beantworteten Fragen durchleuchten.


Mit freundlichen Grüßen
Anja Siegesmund

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