09:54 Uhr | 15.02.2018
Die Führer der Bewegung „Bürgerforum", AfD und ähnlicher Organisationen verkünden wiederholt: „Wir sind keine Nazis!". „Wenn man uns so bezeichnet, obwohl wir nur Kritik üben, dann dürfen sich unsere Gegner nicht wundern, dass wir uns wehren", beklagen Sie sich und fühlen sich als Opfer. Doch wer sind die Sprecher dann? Wer erhebt hier die Stimme im Namen „des Volkes", im Namen „der Altenburger"? Es sind Mitbürger, die Anführer einer Bürgergruppe sein wollen. Sie möchten, dass diese Gruppe immer stärker wird und damit auch ihr eigener Einfluss, ihre eigene Macht wächst. So weit ist noch alles akzeptabel. Nicht akzeptabel ist jedoch, dass ihnen für das Erreichen ihrer Ziele jedes Mittel recht ist. Sie wählen Methoden, die die Würde eines jeden einzelnen Menschen angreifen, die durch Schüren von Ängsten und Hass ein friedliches Miteinander verhindert. Dieses Vorgehen führte schon einmal in die Katastrophe. Ich möchte diese Entwicklung im Altenburger Land nicht. Ich möchte den Missbrauch der Medien nicht, die heute weit effektiver sind, als sie in der Vergangenheit je waren. Ich möchte nicht, dass jeder, der eine andere Sichtweise der Ereignisse hat, bis zur Unkenntlichkeit nieder gemacht wird. Ich bin in großer Sorge, dass die Sprache des „Dritten Reiches", die schon einmal ein Volk verführte, zum Alltag in der politischen Auseinandersetzung wird. Nach umfangreichen Studien des damaligen Sprachgebrauchs in den Medien, verglichen mit heutigen Ausführungen einiger Sprecher in der politischen Arena, komme ich zum Schluss: es sind erschreckend viele inhaltliche Übereinstimmungen mit dem hasserfüllten völkischen Vokabular der Nationalsozialisten, die die gleiche Wirkung erzielen. Das Ergebnis von damals ist bekannt. Da werden alle Register gezogen, um die Menschenwürde zu verletzen. Dabei spielt es keine Rolle, welche Verdienste die angegriffenen Personen in ihrem Leben erworben haben. Nicht einmal die natürliche Person oder die real existierenden Gruppen spielen eine Rolle. Vor 80 Jahren waren es Juden, Sinti und Roma, Behinderte, „Untermenschen", Zeugen Jehovas, politische Gegner usw. Heute sind es...,hier erspare ich mir die Aufzählung, da sie schon morgen nicht mehr aktuell ist. Dass ein Mensch wagt, eine andere Erkenntnis oder Kultur zu haben, oder auch nur anders aussieht, reicht aus.
Kritisieren möchte ich auch die Aufforderungen zum Boykott von Museen und Theater. Dies erinnert mich stark an Bücherverbrennungen und die Vernichtung von „Entarteter Kunst". Als Kunsterzieher durfte ich erleben, dass gerade die Kunst ein Symbol der Freiheit, der Kreativität des Gedankens und des Dialogs ist.
Schlussfolgerung: Bei vielen Bürgern kommt der Gedanke auf, diese Anführer geben sich wie Nazis - nein, Nationalsozialisten (Nazis) sind sie nicht. Sie sind Anführer vom „Bürgerforum" und von der „Alternative für Deutschland"! Für ihr Handeln und für ihre Sprache tragen sie allein die Verantwortung. Entsprechend werden sie auch wahrgenommen. Ich fordere deshalb alle Akteure auf: achtet auf eure Sprache, achtet auf euer Handeln und achtet auf die Würde eines jeden einzelnen Menschen, egal wo er auf dieser Erde lebt. Wehret den Anfängen! Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch! (Berthold Brecht).
Wolfgang Böhm
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