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18:27 Uhr | 16.01.2014

Altenburg gelingt Clou

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Beitrag: Altenburg gelingt Clou

Ein geglückter Coup sorgt für Hochstimmung im Altenburger Schloss- und Spielkartenmuseum. Dort befindet sich seit einigen Tagen eine sehr wertvolle Sammlung von rund 2000 historischen Kartenspielen, die dem Sammlerehepaar Helga und Dr. Dr. Ernst-Henri Balan abgekauft werden konnte. Mit der beispiellosen Anschaffung werden nach Einschätzung von Experten die im Zweiten Weltkrieg erlittenen Verluste weitgehend kompensiert. Dank des Ankaufs verfügt das Altenburger Residenzschloss nun über einen wahren Schatz: Fachleute messen dem erworbenen Sammlungsbestand internationale Bedeutung zu. Unter den etwa 2000 Kartenspielen befinden sich mehr als 300 besonders wertvolle, die aus dem 16., 18. und frühen 19. Jahrhundert stammen. Bei den bedeutendsten Spielkarten handelt es sich um 7 „Augsburger Bögen“ aus dem Jahr 1580, ferner um 21 handkolorierte Spiele aus dem frühen 18. Jahrhundert sowie 13 seltene Tarockspiele des 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Die Anschaffung stellt eine hochinteressante Fundgrube für die deutsche und internationale Forschung dar. Um den Ankauf finanzieren zu können, musste Oberbürgermeister Michael Wolf nicht weniger als neun Geldgeber und das Thüringer Kultusministerium für das Vorhaben begeistern. Es gelang dem Stadtoberhaupt, insgesamt 120.000 Euro einzuwerben. Das Sammlerehepaar Helga und Dr. Dr. Ernst-Henri Balan, das sich aus Altersgründen von seinem Schatz trennen wollte, legte Wert darauf, dass die Sammlung zusammen bleibt und die Karten in gute Hände kommen, deshalb bekam das Altenburger Museum letztlich den Zuschlag. Der Wert der gesamten Sammlung liegt nach Expertenschätzung viel höher, allein die erwähnten 300 besonders bedeutenden Spiele dürften mehr als 250.000 Euro wert sein – von der immateriellen Bedeutung ganz zu schweigen. Für das Schloss- und Spielkartenmuseum begründet der Ankauf gewissermaßen eine neue Zeitrechnung. Bis zum Zweiten Weltkrieg galt das Altenburger Museum mit seinem Bestand von mehr als 6000 historischen Spielkarten als eine Art Schatzkammer. Nach dem Krieg waren existenzielle Verluste zu beklagen. In der sowjetischen Besatzungszone wurden im Zuge der Reparationsleistungen auch Kulturgüter beschlagnahmt und so ließ die sowjetische Militäradministration in Altenburg Anfang 1946 den gesamten Spielkartenbestand abtransportieren. Seither gilt die Sammlung als verschollen. Dennoch wagte das Spielkartenmuseum 1949 einen Neuanfang und es gelang im Laufe von Jahrzehnten, mühsam eine neue Sammlung aufzubauen. Angesichts der beschränkten finanziellen Möglichkeiten war es bislang allerdings nicht möglich, größere Ankäufe auf dem nationalen und internationalen Kunstmarkt zu tätigen. Einige Lücken in der Sammlung konnten nur dank Schenkungen und nach 1989 mit den Ankäufen von drei Sammlungen geschlossen werden. Mit dem Erwerb der Sammlung Helga und Dr. Dr. Ernst-Henri Balan, die – verpackt in 126 Ordnern und 30 Kisten – von Museumsleiterin Uta Künzl, dem renommierten Spielkartenexperten Gerd Matthes und Oberbürgermeister Michael Wolf aus Berlin nach Altenburg gebracht wurde, ist die Schatzkammer des Museums wieder reich gefüllt. Umfang und Bedeutung des Neuerwerbs machen eine Neukonzeption der bestehenden Spielkartenausstellung erforderlich. Mit Blick auf die nationale Bedeutung der Exponate sollen sich auch externe Berater dabei einbringen. Ziel ist es, die wertvolle Sammlung künftig so zu präsentieren, dass der Museumsbesuch für breite Schichten der Bevölkerung zu einem Erlebnis wird. Oberbürgermeister Michael Wolf gerät beim Gedanken an die Größe der jetzt gekauften Sammlung ins Schwärmen. „Wir konnten die einmalige Gelegenheit nutzen, in den Besitz einer Vielzahl einzigartiger Spiele zu gelangen. Damit können wir sowohl die nationale als auch die internationale Bedeutung des Museums fördern und die Attraktivität der Ausstellung nachhaltig steigern“, so das Stadtoberhaupt. Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Altenburger Land, Bernd Wannenwetsch, begründet das finanzielle Engagement des Geldinstituts mit folgenden Worten: „Traditionen stellen Werte dar, die verbinden. Die Spielkarten-Tradition, der Skat und die Sparkasse Altenburger Land sind unverwechselbar mit der Geschichte unserer Heimat, der Stadt Altenburg und dem Altenburger Land verbunden. Für unser Traditionshaus, in Zusammenarbeit mit der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, war es daher wichtig, diese einmalige Chance wirkungsvoll zu unterstützen." Der renommierte Spielkartenexperte Gerd Matthes hat die Sammlung, wie bereits drei Sammlungen zuvor, an das Spielkartenmuseum vermittelt. Matthes konnte die bedeutende Sammlung schon frühzeitig in Augenschein nehmen und zählt sie mit zu den größten in Deutschland. „Auf Grund ihres Variantenreichtums sind die Spiele sehr wertvoll.“ Aus Sicht der internationalen Spielkartenforschung handele es sich um eine „Schatzkammer“. Der Erwerb, ein Glücksfall für das Schlossmuseum, war wie erwähnt nur möglich, weil private Geldgeber gewonnen werden konnten. Folgenden Sponsoren ist die Stadt zu großem Dank verpflichtet: Ernst von Siemens Kunststiftung (30.000 Euro), Altenburger Schlossverein (25.000 Euro), Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen (20.000 Euro), Sparkasse Altenburger Land (20.000 Euro), TIPICO CO. LTD (10.000 Euro), Kultusministerium des Freistaats Thüringen (5500 Euro), Förderstiftung der VR-Bank Altenburger Land eG (5000 Euro), Spielkartenfabrik Altenburg GmbH (2500 Euro) und die Commerzbank (2000 Euro).

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