16:36 Uhr | 18.08.2025
In seiner Ausgabe vom 2. August 2025 ruft die Anzeigenzeitung "Kurier" dazu auf, Leserbriefe zu schreiben, und verweist dabei auf die Meinungsfreiheit nach Artikel 5 des Grundgesetzes. Doch werden tatsächlich immer Leserbriefe abgedruckt – und werden wirklich alle eingereichten Beiträge veröffentlicht? Eine Antwort auf diese Frage könnte eine Recherche zweier Schülerinnen liefern, die den Kurier für eine Schülerzeitung (Schülerzeitung des Christlichen Spalatin-Gymnasiums Altenburg, Ausgabe 33 vom Dezember 2024) auf die Probe gestellt haben.
Mithilfe künstlicher Intelligenz verfassten die Schülerinnen einen Beitrag, in dem sie den öffentlich-rechtlichen Rundfunk an den „Pranger“ stellten. Diesen „Leserbrief“ haben sie, laut dem Beitrag in der Schülerzeitung, anonym an das Anzeigenblatt geschickt, nachdem sie dafür eigens eine frei erfundene E-Mail-Adresse eingerichtet hatten. In der Ausgabe vom 2. November 2024 erschien der Leserbrief mit dem Hinweis „Autor der Redaktion bekannt“. Offenbar eine glatte Lüge – der Beitrag war anonym eingegangen. Eine Rückfrage der Wochenzeitung, die laut Mitteldeutschem Rundfunk inzwischen auch vom Verfassungsschutz beobachtet wird, bei den „Autoren“ erfolgte nicht, so im Beitrag der Schülerinnen nachzulesen.
In einem weiteren Versuch schickten die Schülerinnen einen selbst verfassten Leserbrief, in dem sie eine gegenteilige Meinung zu den üblichen Positionen der Anzeigenzeitung vertraten. Kurz darauf erhielten sie auf die ebenfalls für diesen Test eingerichtete zweite E-Mail-Adresse eine Antwort der Kurier-Redaktion. Man könne den Leserbrief aus rechtlichen Gründen nur unter Angabe der vollständigen Wohnanschrift und einer Telefonnummer abdrucken.
Auch unsere Redaktion ist von der selektiven Auswahl des Kurier, der inzwischen regelmäßig Artikel der rechtsgerichteten Epoch Times veröffentlicht, betroffen. In der Ausgabe vom 2. August 2025 fanden sich drei falsche Tatsachenbehauptungen über unseren Sender und unsere Berichterstattung zu einem Thema. Dabei widersprach sich der Kurier sogar innerhalb des Artikels selbst.
Am 4. August baten wir das Anzeigenblatt, die falschen Angaben zu berichtigen. Wir hätten auch akzeptiert, wenn dies in Form eines Leserbriefs geschehen wäre. Das Blatt, das inzwischen nicht mehr landkreisweit in die Briefkästen verteilt wird, ignorierte unsere Richtigstellung jedoch bis heute.
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