Am Mittwoch herrschte helle Aufregung in der Thüringer Staatskanzlei, als Ministerpräsident Mario Voigt zu einer kurzfristigen Pressekonferenz lud. Der Anlass war die Entscheidung der Technischen Universität Chemnitz, dem Regierungschef seinen Doktortitel abzuerkennen. Voigt reagierte prompt und kündigte an, gegen diesen Beschluss vor dem zuständigen Verwaltungsgericht zu klagen. Die Entscheidung der philosophischen Fakultät sei für ihn „nicht nachvollziehbar“, betonte der Ministerpräsident vor den Medienvertretern.
Im Zentrum seiner Verteidigung steht ein externes Gutachten aus dem Februar 2025, das die Universität selbst in Auftrag gegeben hatte. Laut Voigt bescheinigte dieser Experte der Dissertation über den US-Präsidentschaftswahlkampf 2004 eine eigenständige wissenschaftliche Leistung. Dennoch folgte der Fakultätsrat dieser Einschätzung nicht und entzog den akademischen Grad am Mittwoch einstimmig. Die Universität erklärte dazu, dass das externe Gutachten lediglich eine von vielen Quellen für die Gesamtbewertung gewesen sei. Vogt hingegen verwies auf die vierjährige Arbeit an dem 133.000 Wörter umfassenden Werk und die zahlreichen Experteninterviews in den USA. Seine Anwälte hatten zuvor ein 187-seitiges Dokument eingereicht, um alle kleinteiligen Vorwürfe Schritt für Schritt auszuräumen.
Ein wunder Punkt für Voigt ist zudem, dass im Verfahren weder er noch seine damaligen Doktorväter persönlich angehört wurden. Bis zur juristischen Klärung wolle er seinen Doktortitel aus Respekt vor dem schwebenden Verfahren vorerst nicht weiterführen.Die politische Opposition reagierte mit scharfer Kritik auf die Entwicklungen in Erfurt. AfD-Landeschef Björn Höcke bezeichnete Voigt als „überführten Betrüger“ und forderte seinen sofortigen Rücktritt sowie Neuwahlen. Höcke sprach von einer „politischen Bombe“, die den Freistaat in eine tiefe Krise stürze.
Auch die Linke meldete Bedenken an, allerdings primär wegen der Nutzung staatlicher Ressourcen für Voigts private Erklärung. Rückendeckung erhielt der Ministerpräsident von seiner eigenen CDU-Fraktion, die sich geschlossen hinter ihn stellte.Ausgelöst hatte die Affäre der durchaus umstrittene Plagiatsprüfer Stefan Weber im Sommer 2025 mit einem entsprechenden Hinweis an die TU Chemnitz. So legt Voigts Anwaltskanzlei dar, dass Weber u.a. zitierte Stellen moniert habe, die allerdings aus einer anderen Arbeits Voigts stammten.
Schon bei der Kandidatin für das Bundesverfassungsgericht, Frauke Brosius-Gersdorf, hatte Weber angebliche nicht gekennzeichnete Zitate aus der Arbeit ihres Mannes entdeckt. Letztlich stellte sich heraus, dass die Arbeit ihres Mannes viel später entstanden war. Auch hier entlastete ein Gutachten letztendlich Frauke Brosius-Gersdorf. Trotz des drohenden Rechtsstreits betonte Voigt, sich weiterhin mit voller Kraft auf die Regierungsarbeit konzentrieren zu wollen. Nun liegt die endgültige Entscheidung über die wissenschaftliche Integrität des Ministerpräsidenten in den Händen der Justiz.