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Regionales

15:04 Uhr | 09.09.2020

Corona oder Grippe?

Das seit Monaten grassierende Coronavirus löst bei vielen Menschen Besorgnis aus. Das bevorstehende Winterhalbjahr ist nun auch noch Grippezeit. Grippe und Corona treffen also aufeinander. Professor Dhein, welche Symptome unterscheidet die Grippe von einer Coronavirus-Infektion und welche von einer Erkältung?

 


S. Dhein: Eine Unterscheidung ist so gut wie nicht möglich, denn die Symptome - Fieber, Husten, Schnupfen, Abgeschlagenheit - sind bei allen diesen Erkrankungen zumeist sehr ähnlich. Bei Corona-Patienten kann kurzzeitig oder über mehrere Tage auch das Riechen und Schmecken gestört sein. Wer solche Symptome hat, sollte einen Arzt konsultieren, der dann gegebenenfalls entsprechende Tests anordnen kann, um zu einer sicheren Diagnose zu gelangen.

 

Was ist gefährlicher – eine Grippe oder eine Coronavirusinfektion? Und ist es möglich, gleichzeitig an Grippe und an Corona zu erkranken?

 


S. Dhein: Beide Erkrankungen sind gefährlich, beide können mild verlaufen oder auch sehr ernsthaft. Nach der momentanen Datenlage liegt die Wahrscheinlichkeit, hierzulande an COVID-19 zu sterben, bei etwa fünf Prozent. Eine „normale“ saisonale Grippe zeigt eine Letalität von etwa 0,4 Prozent, kann aber je nach Virenstamm auch deutlich höher liegen. Das haben wir zum Beispiel bei der Spanischen Grippe gesehen. Da es sich bei Influenza und COVID-19 um völlig verschiedene Viren handelt, ist es auch möglich, an beidem zu erkranken.

 

 

Steht uns 2020/21 eine ähnlich große Grippewelle bevor wie zuletzt 2017/18, als in Deutschland rund 25.000 Menschen an der Influenza starben?

 


S. Dhein: Es gibt vor allem zwei Erreger der Influenza: das Influenza A Virus und das Influenza B Virus. Insbesondere das Influenza A Virus zeigt eine häufige Veränderung von Jahr zu Jahr, an die die Impfstoffe immer wieder angepasst werden müssen. Dies führt alle zwei bis drei Jahre zu etwas größeren Grippewellen. Daneben tritt in größeren Abständen, etwa alle 10 bis 40 Jahre, auch ein Austausch ganzer Genabschnitte auf, der zu erheblichen Veränderungen führt, was dann größere Epidemien auslöst. Somit ist es nicht möglich, die Schwere einer Grippewelle sicher vorherzusagen.

 

 

Eine Impfung gegen das Coronavirus gibt es bislang noch nicht. Der beste Schutz gegen eine Grippe hingegen ist die Grippeschutzimpfung, die jährlich im Herbst aufgefrischt werden sollte. Wem raten Sie zu einer Impfung?


S. Dhein: Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Grippeimpfung für folgende Personengruppen: Alle Menschen ab 60 Jahre, Personen mit mehr als sechsmonatiger erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens wie chronische Krankheiten der Atmungsorgane, Herz- oder Kreislaufkrankheiten, Leber- oder Nierenkrankheiten, Diabetes mellitus oder andere Stoffwechselkrankheiten, chronische neurologische Grundkrankheiten, Multiple Sklerose, angeborene oder erworbene Immunschwäche oder HIV-Infektion. Impfen lassen sollten sich in jedem Fall auch Bewohner von Alten- oder Pflegeheimen, alle gesunden Schwangeren ab dem 2. Trimenon, Schwangere mit einer chronischen Grundkrankheit ab dem 1. Trimenon, Personen mit erhöhter beruflicher Gefährdung wie etwa medizinisches Personal, Personen mit erhöhter Gefährdung durch direkten Kontakt zu Geflügel und Wildvögeln sowie all jene, die als mögliche Infektionsquelle für von ihnen betreute Risikopersonen eine Gefährdung bedeuten können. Darüber hinaus wäre dieses Jahr allen Beschäftigten in Schulen und Kitas oder ähnlichen Einrichtungen sowie den Kindern die Grippeimpfung zu empfehlen, um das Bildungssystem zumindest hinsichtlich der Influenza zu schützen.

 

Hat die Grippeschutzimpfung irgendeinen Nutzen im Hinblick auf eine mögliche Ansteckung mit dem Corona-Virus?

 


S. Dhein: Da es sich bei Influenza und COVID-19 um zwei verschiedene Typen von Viren handelt, schützt die Grippeimpfung nur vor der Grippe, nicht aber vor COVID-19. Wer sich aber gegen Grippe impfen lässt, kann sich zumindest schon einmal gegen eine mögliche schwere Grippeerkrankung schützen, wogegen es ja eine Corona-Schutzimpfung derzeit noch nicht gibt. Außerdem wirkt jede Impfung auch als Training für das Immunsystem.

 

Ab wann wird im Altenburger Land gegen Grippe geimpft und steht ausreichend Impfstoff zur Verfügung?


S. Dhein: Nach unserer Kenntnis steht der Impfstoff zur Verfügung und kann etwa ab Mitte September bei den Hausärzten verimpft werden. Im Gesundheitsamt werden wir die Grippeschutzimpfung ab Oktober anbieten. Aktuell gibt es keine Hinweise aufEngpässe bei der Impfstoffversorgung. (Interview: Jana Fuchs)

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