12:57 Uhr | 20.08.2026
Im aktuellen Sommerinterview 2026 zieht Thüringens Innenminister und SPD-Landesvorsitzender Georg Maier eine durchwachsene, aber überaus kämpferische Bilanz. Dass bis 2029 keine Wahlen im Freistaat anstehen, sieht er als Chance, um abseits des politischen Dauerfeuers in Ruhe sachorientierte Regierungsarbeit zu leisten. Globale Krisen und die angespannte Wirtschaftslage spielen laut Maier derzeit vor allem den Populisten in die Karten, die mit scheinbar einfachen Lösungen auf Stimmenfang gehen.
Trotz schlechter Umfragewerte für die eigene Partei verteidigt er die Regierungsarbeit vehement und verweist auf eine gesunkene Kriminalitätsrate sowie eine personell gestärkte Polizei. Auch bei neuen Bedrohungen wie Cyberattacken oder Spionage sowie im Katastrophenschutz sei Thüringen hervorragend aufgestellt. Um das Vertrauen der Wähler zurückzugewinnen, müsse sich die Sozialdemokratie wieder stärker auf ihre Wurzeln besinnen und die arbeitende Mitte der Gesellschaft in den Fokus rücken. Scharfe Kritik übt Maier an der AfD, deren völkische Ideologie er als fundamentale Gefahr für die Verfassung einstuft. Er befürwortet daher eine gerichtliche Prüfung eines AfD-Verbots, da die Partei grundlegende Menschenrechte infrage stelle und die Gesellschaft gezielt spalte.
Einem potenziellen AfD-Innenminister in Nachbarländern wie Sachsen-Anhalt blickt er mit großer Sorge entgegen, da sensible Sicherheitsinformationen in extremistische Hände fallen könnten. Beim Reizthema Migration plädiert der Innenminister für eine ehrliche Bestandsaufnahme: Anfängliche Überlastungen der Kommunen seien durch konsequentes Handeln, sinkende Asylzahlen und mehr Rückführungen mittlerweile weitgehend gelöst. Zudem sei qualifizierte Zuwanderung für die Thüringer Wirtschaft angesichts des fortschreitenden demografischen Wandels schlichtweg überlebenswichtig.
Die Zusammenarbeit innerhalb der eigenen Regierungskoalition mit Mario Vogt und Katja Wolf beschreibt Maier trotz inhaltlicher Differenzen als vertrauensvoll und pragmatisch. Angesichts der knappen Kassenlage kündigt er einen unvermeidbaren Sparkurs an, verspricht jedoch, dass bei der inneren Sicherheit keine Abstriche gemacht werden. Seine jüngste Wanderung über den Rennsteig habe ihm zudem gezeigt, dass die Menschen vor Ort weniger über Migration, sondern vielmehr über handfeste Themen wie Krankenhausversorgung und Rettungsdienste sprechen wollen. Maiers abschließendes Rezept gegen die zunehmende politische Polarisierung lautet daher schlichtweg, wieder mehr den direkten, analogen Kontakt zu den Bürgern zu suchen.
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