Altenburg, 19.04.2026 16:13 Uhr

Regionales

17:12 Uhr | 15.04.2026

Talsperre Windischleuba: Entwarnung mit Einschränkungen

Altenburg/Windischleuba. Sind Schlamm und Sand der Talsperre Windischleuba mit Schadstoffen belastet? Geht von den Ablagerungen eine Gefahr für Mensch und Natur aus? Diese Fragen treiben die Bürger in Windischleuba und Fockendorf seit Jahren um. Am gestrigen Dienstagabend präsentierte das Landratsamt Altenburger Land im voll besetzten Landschaftssaal die mit Spannung erwarteten Ergebnisse der Gefährdungsabschätzung. Das Fazit der Experten: Eine akute Umweltgefahr besteht nicht, doch beim Hochwasserschutz gehen die Meinungen zwischen Bürgern und Behörden weiterhin stark auseinander.

 

Die historische Belastung der Talsperre ist unbestritten. Angenommen wird, dass beginnend in den 1950er Jahren sehr schlecht oder gar nicht geklärte Abwässer aus Textilbetrieben in Meerane, Crimmitschau und Gößnitz über die Pleiße in das Staugewässer gelangten. Erste Voruntersuchungen des Sachverständigenbüros SAKOSTA ließen bereits vermuten, dass sich über die Jahrzehnte Schadstoffe abgesetzt haben könnten.

Um die genaue Belastung zu klären, beauftragte der Freistaat Thüringen umfassende Bodenuntersuchungen. Die Ergebnisse wurden nun von Landrat Uwe Melzer, Birgit Seiler (Leiterin des Fachdienstes Natur- und Umweltschutz), Florian Ingrisch (Sachbearbeiter Bodenschutz) sowie den Fachexperten Dr. Jürgen Forster (Sakosta GmbH), Prof. Dr. Reinhard Pohl (TU Dresden) und Dipl.-Geograf Frank Wieschollek (WPLAN Leipzig) vorgestellt.

 

Schwermetalle nachgewiesen – Grundwasser ungefährdet

 

Die gute Nachricht vorweg: Bei organischen Schadstoffen konnten keine kritischen Werte festgestellt werden. Auch eine Überprüfung auf radioaktive Stoffe ergab keine Messungen über den Normalwerten; eine Gefahr im Sinne des Strahlenschutzes ist somit ausgeschlossen. Im rechtlichen Sinne liege keine „schädliche Bodenveränderung“ vor, hieß es seitens der Gutachter.

Dennoch ist der Boden nicht komplett unbelastet. Die Auswertungen zeigen erhöhte Werte bei verschiedenen Metallen, insbesondere Cadmium, Arsen, Chrom, Quecksilber und Bor. „Cadmium taucht in den Proben immer wieder auf“, bestätigten die Experten. Es gab stellenweise Überschreitungen der Richtwerte. Allerdings befinden sich Stoffe wie Bor, Chrom und Cadmium in Bereichen, in denen sie weder in das Grundwasser eindringen noch mit Menschen in direkte Berührung kommen können. Da in diesen Arealen keine Landwirtschaft stattfindet, ist auch ein Übergang in Nutzpflanzen und damit in die Nahrungskette weitgehend ausgeschlossen.

 

Konsequenzen für die Landwirtschaft

 

Eine wichtige Ausnahme gibt es jedoch: Bei den reinen Sedimentaufschüttungen besteht das Risiko, dass Cadmium in Nutzpflanzen geraten könnte. Der Freistaat hat deshalb konkrete Maßnahmen angekündigt. Während die sogenannten Verlandungszonen weiterhin als Weidefläche oder für die Gewinnung von Viehfutter genutzt werden dürfen, wird dies für die Sedimentaufschüttungen künftig untersagt. Zudem wird das Gebiet durch weitere Messungen kontinuierlich überwacht.

 

Streitpunkt Hochwasserschutz

 

Neben der Schadstoffbelastung war die Hydrologie ein zentrales Thema des Abends. Die Gutachter untersuchten, ob die abgelagerten Sedimente bei einem Extremereignis weggespült werden könnten. Die Berechnungen zeigen: Selbst bei einem hundertjährlichen Hochwasser (HQ100), bei dem auch verlandete Bereiche komplett unter Wasser stünden, gäbe es nur eine geringe Bewegung der Sedimente. Diese würden sich größtenteils innerhalb des noch bestehenden Sees absetzen und nicht in die Pleiße weitergetragen.

Doch genau diese mangelnde Durchlässigkeit ist der örtlichen Bürgerinitiative ein Dorn im Auge. Sie sieht den Hochwasserschutz als elementares Ziel, das durch die aktuelle Situation nicht gegeben sei. Die Forderung der Bürger: Die festgesetzten Sedimente müssen zwingend durchgespült und abtransportiert werden können. Geschieht dies nicht, drohe im Hochwasserfall ein enormer Rückstau, der vor allem die oberliegenden Gemeinden gefährde.

 

Politische und ökologische Hürden

 

Die Bürgerinitiative fordert zudem eine klare politische Lösung: Der Freistaat Thüringen solle die Talsperre übernehmen, die sich zwar auf Thüringer Gebiet befindet, rechtlich aber dem Freistaat Sachsen gehört.

Thüringen winkt hierbei jedoch ab. Aus Sicht des Freistaats ist die Talsperre Windischleuba für den überregionalen Hochwasserschutz nicht notwendig. Die erforderlichen Durchflussmengen bei einem HQ100-Ereignis sollen über andere Wasseranlagen im System reguliert werden.

Zusätzlich erschwert wird jede bauliche oder strukturelle Veränderung durch die Natur selbst: Die Talsperre hat sich in den vergangenen Jahrzehnten ungestört zu einer der bedeutendsten Vogelschutzflächen in ganz Mitteldeutschland entwickelt. Die Balance zwischen Hochwasserschutz, Altlastenbewältigung und Naturschutz wird Windischleuba und die Behörden somit wohl auch weiter beschäftigen.

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