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14:02 Uhr | 09.04.2026

Thüringen werden 140.000 Arbeitnehmer fehlen

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Beitrag: Thüringen werden 140.000 Arbeitnehmer fehlen

Erfurt - Die Thüringer Landesregierung hat bei der dritten Sitzung des „Pakts für Wachstum und Arbeitsplätze“ weitreichende wirtschafts- und arbeitsmarktpolitische Weichenstellungen präsentiert. Vor der imposanten Kulisse des Triebwerks-Testturms von N3 in Arnstadt stellten Ministerpräsident Mario Vogt und seine Kabinettsmitglieder die neuen Pläne vor. Im Zentrum der Veranstaltung stand die Unterzeichnung der neuen Fachkräftestrategie 2026 bis 2030 sowie die Präsentation des aktuellen Mittelstandsberichts. Angesichts eines drohenden Mangels von 140.000 Arbeitskräften bis zum Jahr 2035 ist ein schnelles und koordiniertes Handeln zwingend erforderlich.

Arbeitsministerin Katharina Schenk betonte, dass die neue Strategie auf klaren Prioritäten und überprüfbaren Zielen basiert, um das bestehende Missverhältnis am Arbeitsmarkt aufzulösen. Ein wesentlicher Schwerpunkt liegt dabei auf jungen Menschen, die die Schule bislang ohne Abschluss verlassen, um diese durch gezielte Praxisprojekte in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Zudem soll eine neue Schüler-ID dabei helfen, den Werdegang von Jugendlichen besser nachzuvollziehen und Schulabbrecher frühzeitig mit passenden Beratungsangeboten aufzufangen.

Weitere Kernpunkte der Strategie umfassen die längere Beschäftigung älterer Arbeitnehmer, die gezielte Anwerbung und Integration ausländischer Fachkräfte sowie die Bindung von Hochschulabsolventen an den Freistaat. Auch die kontinuierliche Qualifizierung von Beschäftigten im Strukturwandel spielt eine entscheidende Rolle, um bestehende Arbeitsplätze in Thüringen zu sichern. Vertreter von Gewerkschaften, Kammern und der Bundesagentur für Arbeit lobten die enge Sozialpartnerschaft und den praxisnahen Ansatz des Bündnisses.

 

Strukturwandel und Zukunftskompass für den Mittelstand

 

Wirtschaftsministerin Colette Boos-John präsentierte im Anschluss die Ergebnisse des vom ifo-Institut erstellten Mittelstandsberichts. Obwohl Thüringen mit einem Wirtschaftswachstum von 0,4 Prozent zuletzt über dem Bundesdurchschnitt lag, offenbarte die Analyse auch deutliche strukturelle Schwächen. So ist das Bruttoinlandsprodukt des Freistaats im ostdeutschen Vergleich innerhalb der letzten zehn Jahre vom ersten auf den letzten Platz zurückgefallen. Der Bericht identifiziert vor allem die schrumpfende erwerbsfähige Bevölkerung und vergleichsweise niedrige Unternehmensinvestitionen als größte Wachstumsbremsen.

Positiv hervorgehoben wurde hingegen die starke industrielle Basis, da Thüringen den höchsten Industriebesatz aller ostdeutschen Bundesländer aufweist. Ebenso verfügt das Land über eine exzellente Forschungs- und Entwicklungslandschaft, die künftig jedoch noch besser mit den vielen kleinen und mittleren Unternehmen vernetzt werden muss. Um die Wettbewerbsfähigkeit weiter zu steigern, kündigte Boos-John an, Investitionsanreize erhöhen und wirtschaftsfreundlichere Rahmenbedingungen ohne unnötige Bürokratie schaffen zu wollen. Alle Beteiligten waren sich einig, dass die Bewältigung des demografischen Wandels und die Förderung von Innovationen nur in einer gemeinsamen Kraftanstrengung gelingen können. Die Erkenntnisse des Mittelstandsberichts sollen nun als wissenschaftliche Basis für einen neuen „Zukunftskompass“ dienen, der die wirtschaftspolitische Vision des Landes definiert. Die nächsten konkreten Schritte und Auswertungen der beschlossenen Maßnahmen werden beim kommenden Treffen des Paktes im Oktober erwartet.

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