Altenburg, 11.02.2026 12:27 Uhr

Regionales

09:49 Uhr | 11.02.2026

Muffel-Wild als Plage in Ostthüringen

Wolf und Luchs als „Partner der Jäger“?

Thüringen. Während Landwirte und Waldbesitzer im Osten und Süden des Freistaats über massive Schäden durch riesige Muffelwildherden klagen, bringt der NABU Thüringen eine fast schon provokante Lösung ins Spiel: Statt den Wolf zu bejagen, sollten wir ihn als nützlichen Helfer im Ökosystem begreifen.

 

Die Bilder, die Naturschützer und Forstleute derzeit erreichen, sind beeindruckend und besorgniserregend zugleich. In Ost- und Südthüringen rotten sich Mufflons – eine ursprünglich von den Mittelmeerinseln stammende Wildschafart – zu riesigen Verbänden zusammen. Sie hinterlassen in den Wäldern und auf den Feldern eine Schneise der Verwüstung, fressen junge Baumtriebe und Feldfrüchte.

Massive Herden bereiten Sorgen Silvester Tamás vom NABU Thüringen bestätigt das Ausmaß des Problems: „Auch der NABU bekommt regelmäßig Videos von Muffelherden zugeschickt, die bis zu 300 Tiere zeigen. Mittlerweile sind das allerdings keine Einzelfälle mehr. Wir wissen von mehreren vergleichbar großen Muffelherden.“

 

Für die Waldbesitzer, die nach den Dürrejahren und dem Borkenkäferbefall um jeden nachwachsenden Baum kämpfen, ist dies eine Hiobsbotschaft. Die Sorge sei groß, „dass die Schäden im Wald und in der Flur noch mehr zunehmen“, so Tamás.

Raubtiere als Öko-Dienstleister Hier kommen für den Naturschutzbund die großen Beutegreifer ins Spiel. Wolf und Luchs erfüllten eine Schlüsselfunktion im Ökosystem, da sie Wildbestände nicht nur regulieren, sondern auch „gesund“ halten. Sie erbeuten vorzugsweise kranke oder schwache Tiere und sorgen für eine natürliche Verteilung des Wildes.

Im Kampf gegen die Überpopulation der Mufflons sieht der NABU die Rückkehr der Raubtiere daher nicht als Plage, sondern als Chance zur Entlastung der Land- und Forstwirtschaft. „Wolf und Luchs sind aus unserer Sicht als Partner der Jäger zu verstehen. Sie jagen flächendeckend und rund um die Uhr“, erklärt Silvester Tamás den pragmatischen Ansatz. Dies würde helfen, die Verbissschäden im Wald und Fraßschäden in der Landwirtschaft spürbar zu reduzieren.

 

Kritik an der Landesregierung Vor diesem Hintergrund übt der NABU scharfe Kritik an der aktuellen politischen Linie der Thüringer Landesregierung aus CDU, SPD und BSW. Dass sich die Koalition vehement für eine Bejagung des Wolfes und wolfsfreie Gebiete einsetzt, ist für die Naturschützer nicht nachvollziehbar.

Aktuelle wissenschaftliche Daten stützen die Haltung des NABU: Mit nur etwa 30 Tieren im Freistaat befinde sich der Wolf keineswegs in einem günstigen Erhaltungszustand, wie oft behauptet werde. Er benötige daher weiterhin Schutz. Der Verband fordert in der Diskussion um das Jagdrecht eine Rückkehr zur „faktenbasierten Sachlichkeit“. Ein Umdenken sei dringend erforderlich – nicht nur für den Artenschutz, sondern ironischerweise gerade im wirtschaftlichen Interesse der Waldbesitzer und Bauern.

weitere Meldungen aus dieser Rubrik

11.02.2026

Ferien: Dem Biber auf der Spur

Meister Bockert, wie der Biber in der Fabel heißt, ist ein geschickter Baumeister und gestaltet ganz nebenbei den Lebensraum für viele... [mehr]

08.02.2026

Gott ImPuls am 8. Februar 2026

Gottesdienst für das Altenburger mit Dajka Krentz und Franziska Haucke   [mehr]

05.02.2026

Nachrichten aus Altenburg und dem Altenburger Land

Politik: Der Haushalt 2026 ist durch! Investitionen in Schulen stehen, die Belastung für Gemeinden sinkt überraschend deutlich. -... [mehr]

11.02.2026

Lesung: Die Band Silly und die DDR

Altenburg. Sie galten als eine der besten Rockbands der DDR, ihre Texte hatten Tiefe und ihre Frontfrau Tamara Danz wurde zur Ikone. In... [mehr]

11.02.2026

Theatertipps für Altenburg zum Wochenende

Frankenstein – ein Musicalerlebnis Als Mary Shelley 1816 im Alter von nur neunzehn Jahren „Frankenstein oder Der moderne... [mehr]

09.02.2026

Heute 19.30 Uhr live: Bürgersprechstunde

Altenburgs Oberbürgermeister André Neumann stellt sich den Fragen der Altenburgerinnen und Altenburger   [mehr]

05.02.2026

Frischer Wind auf alten Zweigen

LOHMA. Einst prägten sie das Landschaftsbild und sicherten die Ernährung der Bevölkerung, dann wichen sie der Industrialisierung:... [mehr]

09.02.2026

2025: Ein Jahr, das Thüringen veränderte?

War 2025 das Jahr der Entscheidung oder des Stillstands? In unserer neuen Folge von "45 Minuten Thüringen" gehen wir dahin, wo es... [mehr]

30.01.2026

Nazi-Symbole an Schulen: Jusos fordern mehr Rückhalt für Lehrkräfte

Hakenkreuze an den Wänden und Hitlergrüße im Schulalltag: Nach dem Bekanntwerden nationalsozialistischer Symbole an Schulen im... [mehr]

AGB TV - Livestream
Neu in der Mediathek

45 Minuten Thüringen

45 Minuten Thüringen

Sendung vom 09.02.2026

Panorama Altenburg

6. Februar 2026

Sendung vom 06.02.2026

Thüringen.TV

Thüringen.TV

Sendung vom 06.02.2026