15:17 Uhr | 05.02.2026
LOHMA. Einst prägten sie das Landschaftsbild und sicherten die Ernährung der Bevölkerung, dann wichen sie der Industrialisierung: Streuobstwiesen. Doch im Landkreis Altenburg gibt es eine Trendwende. Auf der größten zusammenhängenden Wiese in Lohma wurden nun durch eine besondere Kooperation 35 neue Bäume gepflanzt, die den Fortbestand dieses wertvollen Biotops sichern.
Es ist ein nebliger Vormittag im Dezember, als Spaten in die Erde stechen und junge Wurzeln ihren neuen Platz in der Erde finden. Was hier passiert, ist mehr als nur Gartenarbeit – es ist Naturschutz im großen Stil. Jens Lindner von der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises überwacht das Geschehen zufrieden. „Streuobstwiesen sind nachhaltige Biotope, die einen wichtigen Beitrag zur Förderung von Biodiversität leisten“, erklärt er. „Sie sind Lebensraum für fast 5.000 Tier- und Pflanzenarten. Diese Wiesen zu erhalten beziehungsweise wiederzubeleben, ist von unschätzbarem Wert.“
Ein historisches Erbe in Gefahr
Lange Zeit sah es schlecht aus für die „grünen Lungen“ der Region. Wo früher Obstwiesen selbstverständlicher Teil der Kulturlandschaft waren, sorgten Rodungen und Flächenversiegelung für einen starken Rückgang. Doch das Umweltbewusstsein wächst. Im Altenburger Land existieren heute noch rund 250 Streuobstwiesen – allesamt sehr alt.
Das „Flaggschiff“ dieser Flächen liegt in Lohma. Sechs Hektar umfasst das Areal, auf dem seit über einem halben Jahrhundert rund 600 hochstämmige Apfelbäume wachsen. Alte Sorten mit klangvollen Namen wie Roter Mond, Boskoop, Weißer Klarapfel und Geflammter Kardinal sind hier zu finden. Doch das Alter fordert seinen Tribut: Lücken sind entstanden, der Bestand lichtete sich.
Bauen für die Natur
Dass diese Lücken nun gefüllt werden, ist einem cleveren Prinzip des Bundesnaturschutzgesetzes zu verdanken: der sogenannten Ausgleichsmaßnahme. „Wer in die Natur eingreift, etwas baut und damit Flächen versiegelt, der muss an anderer Stelle in der Natur wieder etwas gutmachen“, erläutert Lindner die gesetzliche Lage.
Genau hier schließt sich der Kreis. Das Agrarunternehmen am Leinawald, Eigentümer der Wiese und Nutzer der Fläche für die Rinderbeweidung, profitiert von Bauprojekten, die an ganz anderen Orten im Landkreis stattfinden. Fünf Vorhabenträger haben sich zusammengetan, um ihre ökologische Schuld in Lohma zu begleichen.
Von der Eisdiele zum Apfelbaum
Einer von ihnen ist Angelo Antoniolli, Chef des Altenburger Parkhotels. Im vergangenen April eröffnete er ein Eiscafé mit Freisitz am Großen Teich – ein Eingriff in die Natur, der ausgeglichen werden musste. Antoniolli griff beim Pflanztermin selbst beherzt zum Spaten. „In Absprache mit der unteren Naturschutzbehörde entschied ich mich dafür, im Gegenzug der Streuobstwiese in Lohma etwas Gutes zu tun“, so der Gastronom.
Auch moderne Infrastruktur trägt ihren Teil bei: Die Firma Vantage Towers, ein führender europäischer Funkmastbetreiber, hatte unlängst einen Mast in Kriebitzsch errichtet. Projektleiter Marco Reißmann war stellvertretend vor Ort, um die Verjüngungskur der Wiese zu unterstützen.
Ein Blick in die Zukunft
Die fachgerechte Pflanzung der 35 hochstämmigen Obstbäume übernahm die Firma 4K-Baumservice aus Langenleuba-Niederhain. Es ist ein Startschuss für eine langfristige Pflege. „Streuobstwiesen gelten in unserer Region nach wie vor als stark gefährdet“, mahnt Jens Lindner abschließend. „Mit Maßnahmen, wie wir sie aktuell in Lohma umsetzen, haben sie eine Zukunft.“
Während die Rinder des Agrarunternehmens am Leinawald weiter friedlich unter den alten Baumriesen grasen, wächst dazwischen nun die nächste Generation heran – finanziert durch Baumaßnahmen, gepflanzt für die Artenvielfalt.
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