15:14 Uhr | 12.10.2022
Autorinnen und Autoren slawischer Sprachen haben es heutzutage noch gelegentlich schwer auf dem deutschen Büchermarkt. Wie galt dies erst zu Goethes Zeiten? Mit dem ehemaligen Geraer Journalisten und Autoren Bernd Kemter als Gastreferenten betrachtet die Goethe Gesellschaft am 17. Oktober 2022 das Verhältnis von Johann Wolfgang von Goethe zu Vertretern der polnischen Romantik.
Osteuropäische Dichter wurden kaum wahrgenommen, wenige rühmliche Ausnahmen sind in dieser Hinsicht ausgemacht. Wenigstens vermochte Herder in seiner Sammlung „Stimmen der Völker in Liedern“ auf slawische Volkspoesie aufmerksam zu machen. Zu weiteren deutschen Literaten, die sich gelegentlich osteuropäischen Dichtungen zuwandten, gehörte Goethe. Sein Interesse galt insbesondere der polnischen Romantik. Stieß ihn die deutsche Richtung entschieden ab, so akzeptierte er den andersartigen, nämlich national-patriotischen Charakter des nachbarlichen Ablegers.
Goethe hat seine polnischen Schreibgenossen, allen voran Adam Mickiewicz (1798 – 1855), durchaus geschätzt und erfreute sich seinerseits deren regen Interesses. Sie ließen sich von den großen Werken Goethes zu eigenen Schöpfungen inspirieren, ohne in Epigonentum zu verfallen. Vergleiche zu „Werther“, „Faust“ und „Hermann und Dorothea“ beispielsweise zeitigen verblüffende Parallelen zu Mickiewiczs Drama „Dziady“ (Totenfeier) oder zum Poem „Wiesław“ von Kazimierz Brodziński (1791 – 1835).
Kemters Vortrag folgt diesen literarischen Spuren. Er geht ebenso auf Besuche und Bekanntschaften Goethes mit polnischen Dichtern und weiteren prominenten Persönlichkeiten ein. Adam Mickiewicz und sein Dichterfreund Antoni Odyniec (1804 -1885) wurden sogar zum 80. Geburtstag Goethes im Haus am Frauenplan willkommen geheißen. Die Sympathie füreinander war augenscheinlich.
Eine Lesung aus der Erzählung „Kalliopes Sturmvögel“ von Bernd Kemter ergänzt das Thema des Vortrags.
Der Vortragsabend beginnt um 19 Uhr in der Aula der Volkshochschule Altenburger Land (Hospitalplatz 6, Altenburg). Der Eintritt beträgt für Nicht-Mitglieder 6,- €. Weitere Informationen und Kontakt zu den Veranstaltern unter: www.goethe-altenburg.de.
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