10:47 Uhr | 21.08.2019
Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, einen versteckten Schatz zu finden und über Nacht reich zu werden? Allerdings gilt auch für Schatzsucher: Aller Anfang ist schwer. Diese Erfahrung mussten jetzt sogar amtliche Spürnasen im Lübecker Rathaus machen.
Nach vergrabenen Schätzen suchen und sich mit detektivischem Spürsinn immer weiter bis zum Ziel vorarbeiten, das ist für Kinder bis heute ein riesiger Ferienspaß. Und viele Menschen lässt dieses Faszinosum selbst im Erwachsenen-Alter nicht mehr los. Offizielle Zahlen gibt es nicht, doch nach Schätzungen gehen bis zu 70.000 Bundesbürger regelmäßig in Wäldern und auf Äckern auf Schatzsuche. Eine Metallsonde und ein Spaten reichen im Grunde schon aus.
Das Ganze hat allerdings so einige Haken: Der Detektor erkennt zwar, was sich an metallischen Gegenständen im Erdreich verbirgt. Dabei macht das Gerät aber leider keinen Unterschied, ob Sie gerade auf einen Haufen verrosteter Nägel, einen verlorenen Ehering oder womöglich doch einen sagenumwobenen Goldschatz gestoßen sind. Enttäuschungen sind somit vorprogrammiert.
Und sollten Sie tatsächlich einen echten Schatz finden, fangen die Probleme erst so richtig an: Selbstverständlich ist es verboten, historische und wertvolle Gegenstände mir nichts, dir nichts für sich zu behalten. Im besten Fall kann der Finder mit einer finanziellen Anerkennung rechnen, auch der Grundstücksbesitzer des Fundortes hat ein Wörtchen mitzureden.
Wirklich lukrativ scheint das Schatzsuchen also nicht zu sein. Diese ernüchternde Erfahrung mussten jetzt auch die Bediensteten des Lübecker Rathauses machen. Zwei Tresorschränke standen dort unbeachtet herum. Kaum zu glauben, aber wahr: Über 35 Jahre stellte sich niemand im Rathaus die eigentlich doch naheliegende Frage, was wohl drin ist in den beiden massiven Panzerschränken.
Mehr als eine Beamten-Generation später wurde nun endlich das Rätsel gelüftet. Allerdings aus einem eher profanen Grund: Bei einer geplanten Renovierung standen die beiden Tresore im Weg. Also rückte eine Spezialfirma an, um die Schränke nach 35 Jahren erstmals wieder zu öffnen. Verbirgt sich im Inneren ein Vermögen, das die Stadt über Nacht saniert? Erhält gar jeder Lübecker einen Anteil vom Rathaus-Schatz? Alle Hoffnungen und Spekulationen lösten sich schnell in Wohlgefallen auf: Ein paar Gold- und Silbermünzen, alte Dokumente sowie ein Block mit vorgedruckten Eintrittskarten für eine Rathausführung – mehr Geheimnisse hatte der vermeintliche Rathaus-Schatz nicht zu bieten. Die Schulden der Stadt Lübeck von gut 1,4 Milliarden Euro werden damit jedenfalls nicht zu tilgen sein.
Nicht jeder Schatz erfüllt also die hochgesteckten Erwartungen. Selbst wenn Sie beim Aufräumen im Keller oder auf dem Dachboden noch Opas alten Tresor entdecken sollten – erwarten Sie nicht zu viel! Allzu schnell könnte sonst der Traum vom plötzlichen Reichtum und vom Luxusleben zerplatzen. Höchst real hingegen sind die 90 Millionen Euro, die am Freitag im Eurojackpot warten. Und für diesen Schatz brauchen Sie noch nicht einmal einen Metalldetektor!
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