17:11 Uhr | 17.02.2026
Unter dem Motto „Zukunft der Tierhaltung in Deutschland – Zwischen gesellschaftlicher Verantwortung, ökologischer Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Realität“ stand die Jahresmitgliederversammlung des Kreisbauernverbandes Altenburg e.V. (KBV). Vertreterinnen und Vertreter aus Bund, Land und Landkreis folgten der Einladung, um aus allen Ebenen die Bedeutung der hiesigen Landwirtschaft hervorzuheben. Zwei Fachvorträge zeigten den anwesenden Gästen einerseits aus statistischer Sicht, andererseits mit möglichem praktischem Mehrwert die aktuelle Situation für die Bauern.
Im Anschluss wurde ein neuer Vorstand gewählt und aus deren Mitte der aktuelle Vorstandvorsitzende Tom Bauch erneut für vier Jahre bestätigt. Wegen ihres langjährigen ehrenamtlichen Engagements im KBV erhielten Jörg Nitzsche, Wolfram Schlegel (wird wegen Krankheit nachgereicht) sowie Gunter Auer die Silberne Ehrennadel des Thüringer Bauernverbandes überreicht.
Im Fokus der diesjährigen Versammlung standen der wirtschaftliche Druck, neue Vorgaben sowie Chancen durch Kooperation und Nachhaltigkeit. Gleich zu Beginn betonten die Redner die Bedeutung des Tierschutzes, der Artenvielfalt und regionaler Wertschöpfung. Ebenso wurde deutlich: Steigende Auflagen und Bürokratie belasten viele Betriebe.
Bürokratieabbau und Planbarkeit für Betriebe
Landrat Uwe Melzer hob hervor, dass „70 Prozent der Flächen im Landkreis landwirtschaftlich genutzt werden, dabei ist die Tierhaltung schon seit Jahren rückläufig, weil das Risiko wirtschaftlicher Verluste größer wird.“ Mit der Initiative Bodenschutz „legten wir in Thüringen den ersten Kriterienkatalog für Photovoltaikfreiflächen vor. Somit schützen wir unsere hochwertigen Böden.“ Weiter wies er daraufhin, dass die Landwirte mehr als nur Lebensmittel produzieren, „sondern erwirtschaften auf vielfältige Weise Energie.“ Die 19 Biogasanlagen sind ein sichtbares Zeichen. Daher warb er für weitere tragfähige Lösungen, die ökologische Ziele und betriebliche Realität zusammenbringen.
Bundesbeauftragte für Ostdeutschland Elisabeth Kaiser richtete den Blick auf Europa. Sie warb für praktikable Umsetzungen von EU-Vorgaben und für Planungssicherheit. Landwirtschaft müsse sich lohnen. „Wir brauchen die Landwirtschaft, die ökologisch und wirtschaftlich tragbar ist und arbeitet. […]Ich versichere Ihnen mit der EU, mit Bund und Ländern in Austausch zu gehen und Sie auf europäischer und nationaler Ebene zu vertreten.“ Mit Hinweis auf die kritisch gesehenen Freihandelsabkommen fügte sie an, dass es entscheidend sei, „dass Handel fair und Tierwohl auf Sozialstandards gehen und nicht zur Verhandlungsmasse werden.“
Aus dem Thüringer Wirtschaftsressort kam das Signal, Verwaltungslasten spürbar zu senken, auch in Hinblick auf die knappen Budgets. Somit müssen der Gesetzgeber den Unternehmen mehr Freiheiten und Eigenverantwortung zugestehen. Landwirtschaftsministerin Colette Boos-John warnte vor dem Preisdruck durch den Lebensmitteleinzelhandel und sieht auch die Konsumenten in der Pflicht umzudenken. „Wenn wir Ernährungssicherheit wollen, müssen wir auch die Landwirte leben lassen. Der Preis darauf kann nicht das einzige Kriterium sein, sondern auch das Thema Qualität, und die ist nicht immer billig zu haben.“
Bundes- und Handelspolitik wurden ebenfalls angesprochen. MdB Stephan Brandner kritisierte die hohe Regulierungsdichte und warnte vor Wettbewerbsnachteilen durch einzelne Freihandelsabkommen. „Wir haben nichts gegen Freihandel, aber er darf nicht zulasten der großen Gruppe der Bauern und Landwirten gehen.“
Die Debatte blieb sachlich, auch wenn Positionen zum Wolf kontrovers sind. Einigkeit bestand im Ziel, Planbarkeit zu erhöhen und Bürokratie zu reduzieren.
Fachvorträge zur schwierigen finanziellen Lage und neuen wirtschaftlichen Erlösmöglichkeiten
Die schwierige Lage der Tierhaltung war bei Professor Dr. Christine Wieck Schwerpunkt ihres Fachvortrages. Vor allem die starken Preisschwankungen sorgen für Unsicherheit bei den Landwirten. Während die Big Player der Lebensmittelindustrie und der Handel Gewinne einfahren, kommt an der Basis kaum etwas an. Eher im Gegenteil, die Erlöse werden durch hohe Kosten bei Personal, Strom und Futter sowie neue gesetzliche Anforderungen gemindert. Außerdem hängt die Preisbildung stark von Exportmärkten ab. Daher rät sie, engere Kooperationen einzugehen und für mehr Transparenz zu sorgen, damit die Landwirte faire Verträge mit realistischen Mengenplanungen unterzeichnen können. Denn die oft langfristigen Verträge sorgen für zusätzlichen Druck. Fairere Kontrakte und klare Qualitätsanforderungen würden die Risiken und Erträge gezielter verteilen.
Ein recht einfacher zukunftsgewandter Vortrag kam von der Klim GmbH in Persona Robert Exner. Was Betriebe bereits heute sowieso machen, „ ist gute fachliche Praxis, Zwischenfrüchte, Untersaaten, mehrjährige Kulturfolge. Letztendlich binden Sie damit CO2, verdienen damit aber wahrscheinlich kein Geld“, so Exner. Die Klim GmbH berechnet auf ihrer Webseite die CO2 Reduktion und Speicherung und „verkauft diese Zertifikate an Unternehmen, die daran interessiert sind.“ Das dadurch generierte Geld geht dann zu einem großen Teil an die Bauern direkt zurück. Exner weist darauf hin, dass seine Firma bisher mit rund 4000 Landwirten aus Deutschland, Europa und den USA sowie mit den großen Marktplayern der Welt (u.a. Nestle, Mondelēz) zusammenarbeitet. Nachhaltigkeitsziele dieser Global Player werden dadurch für die Landwirte eine lukrative Nebeneinkunft, ohne viel Mehrarbeit. Zusätzlich bietet die Klim GmbH on- und offline weitere Unterstützungen (u.a. Webinare) an, die in enger Absprache erfolgen können.
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