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14:26 Uhr | 08.11.2022

Fenster vom Lindenau Museum werden saniert

Altenburg/Apolda. Denkmalgeschütze Fenster fachgerecht zu  restaurieren oder originalgetreu nachzubauen, das ist genau sein  Metier. An vielen historischen Gebäuden Thüringens hat  Tischlermeister Christian Kalkoff aus Niederroßla in den  vergangenen Jahren Hand angelegt. Jetzt hat die Kreisverwaltung  den erfahrenen Fachmann damit beauftragt, die verschlissenen  Fenster des Altenburger Lindenau-Museums im Zuge der  großangelegten, rund 48 Millionen teuren Gebäudesanierung  einschließlich Herzoglicher Marstall auf Vordermann zu bringen. 

63 Fenster zählt das Altenburger Lindenau-Museum im ersten und  zweiten Obergeschoss. Im ersten Obergeschoss sind es noch immer  genau jene, die der Altenburger Architekt Julius Robert Enger bei der  Errichtung des Lindenau-Museums zwischen 1873 und 1876 einbauen  ließ. Wenngleich nennenswerte Beschädigungen natürlich in der  Vergangenheit fortlaufend behoben wurden, ist doch die letzte  umfassende Sanierung sehr viele Jahre her und so weisen die Fenster  einen hohen Grad der Verwitterung und Risse im Holz auf. Christian  Kalkoff, der in Niederroßla nahe Apolda in vierter Generation eine  Tischlerei mit vier Angestellten betreibt, kennt sich mit derartigen  Projekten bestens aus. Vor noch nicht allzu langer Zeit gingen bereits  die Fenster des Wartburg-Torhauses, die von Schloss Friedenstein,  vom Stadtschloss Weimar und von der Bibliothek Anna Amalia Weimar durch die Hände des 39-Jährigen, der sich auf die denkmalgerechte  Sanierung von Kulturdenkmälern spezialisiert hat.  

Vor Ort in Altenburg hat Christian Kalkoff mit seinem Team vor wenigen  Tagen im ersten Obergeschoss des Lindenau-Museums die ersten  Fenster ausgebaut und in seine Werkstatt nach Niederroßla  abtransportiert, die Öffnungen in der Fassade fachgerecht mit Platten  verschlossen. „Zuerst wird jeder der vier Flügel eines  

Rundbogenfensters von uns vorsichtig entglast. Dafür ist ein bisschen  Fingerspitzengefühl erforderlich, denn die Scheibe ist kaum drei  Millimeter dick. Im Anschluss wird der Fensterrahmen mit Heißluft von  sämtlichen Farbschichten befreit und geschliffen, die verwitterten  Wetterschenkel werden neu gebaut und ausgewechselt. Dafür  verwenden wir Eichenholz“, erklärt Christian Kalkoff die einzelnen  Arbeitsschritte. Danach könne man den Rahmen neu streichen und das  Glas wieder einsetzen. Auch die Fensterbeschläge aus Naturhorn hat  der Tischlermeister mit seinen Kollegen bis dahin überarbeitet. Alles in  allem, so hat Christian Kalkoff kalkuliert, sind etwa 32 Arbeitsstunden  erforderlich, um ein 1,85 Meter mal 3,40 Meter großes historisches  Fenster neu aufzubereiten. Ein Prozess, der sich über die nächsten  Monate erstrecken wird. 

Während Kalkoff die 30 Holz- beziehungsweise Holz-Stahl-Fenster aus  der ersten Etage des Neo-Renaissance-Baus etappenweise restauriert,  wird er jene 33 aus dem zweiten Obergeschoss originalgetreu  nachbauen. Damit will er zu Beginn des neuen Jahres loslegen, hat  dafür bereits sechs Kubikmeter feines Thüringer Eichenholz geordert  und mit den ersten vorbereitenden Arbeiten begonnen. „Wir sind im  Moment dabei, für diese Fernster nach historischem Vorbild die je  achtzig Zentimeter langen Wetterschenkel zu fräsen. Das werden  immerhin 240 laufende Meter sein“, lässt der Meister wissen. Und so  wird in den kommenden Monaten ein altes Fenster nach dem anderen in neuem Glanz erstrahlen – ein sichtbares Zeichen dafür, dass die  Sanierung des Altenburger Lindenau-Museums weiter voranschreitet. 

Erheblicher Platzmangel, eine veraltete Ausstattung etwa bei  technischen Anlagen und sanitären Einrichtungen, nicht vorhandene  Klimatechnik und ein fehlender barrierefreier Zugang machen die  umfangreiche Sanierung erforderlich. Dabei handelt es sich um die  größten baulichen Veränderungen seit der Errichtung des  Museumsgebäudes im Jahre 1876. Aus diesem Grund ist das Haus an  der Gabelentzstraße seit Januar 2020 geschlossen. Das Interim des  Museums befindet sich in der Kunstgasse 1 in Altenburg. 

 

 

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