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12:08 Uhr | 19.03.2026

Die anhaltende Vermögenskluft: Warum der Osten anders spart

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Beitrag: Die anhaltende Vermögenskluft: Warum der Osten anders spart

Ursachenforschung im Altenburger Land

 

Die Wirtschaftsvereinigung Altenburger Land (WAMM e.V.) widmete sich in ihrer aktuellen Ausgabe von "Bube & Dame" der anhaltenden Vermögenskluft zwischen Ost- und Westdeutschland. Als Expertin war die Wissenschaftlerin Dr. Natalie Herdigen vom Institut für angewandte Wirtschaftsforschung in Tübingen zu Gast. Sie stellte die Ergebnisse einer detaillierten Studie vor, die ursprünglich vom ehemaligen Ostbeauftragten der Bundesregierung in Auftrag gegeben wurde. Auch mehr als drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung hinkt der Osten beim Vermögensaufbau noch immer spürbar hinterher.

 

Erben, Sparen und die Angst vor dem Kapitalmarkt

 

Ein Hauptgrund dafür ist die ungleiche Vererbungssituation, da in den neuen Bundesländern seltener und in geringerem Umfang Immobilien oder Kapital weitergegeben werden. Zudem sparen die Ostdeutschen aufgrund eines niedrigeren Einkommensniveaus nicht nur weniger, sondern auch deutlich konservativer. Eine ausgeprägte Skepsis gegenüber dem Kapitalmarkt führt dazu, dass Gelder oft unrentabel auf dem Sparbuch landen, anstatt in renditestarke Anlageformen zu fließen. Ein weiteres massives Hindernis ist das mangelnde Finanzwissen, das in ostdeutschen Familien historisch bedingt seltener von Generation zu Generation weitergegeben werden konnte.

 

Wenn staatliche Förderung ins Leere läuft

 

Bisherige staatliche Förderprogramme verfehlen oft ihre Wirkung, da sie zumeist direkt an den kostspieligen Erwerb von Immobilien geknüpft sind. Viele Ostdeutsche erreichen jedoch aufgrund der geringeren Einkommen gar nicht erst die finanzielle Schwelle, um ein Eigenheim zu finanzieren und somit überhaupt förderfähig zu sein. Die Forscherin plädiert daher für eine umfassende nationale Finanzbildungsstrategie, um diese gefährlichen Wissenslücken frühzeitig zu schließen. Eine konkrete Idee sei die Einführung einer sogenannten Frühstartrente, bei der der Staat von Geburt an monatlich einen Betrag für Kinder anlegt, um sie sicher an den Kapitalmarkt heranzuführen.

 

Lösungsansätze für Jung und Alt

 

Gleichzeitig warnt die Expertin eindringlich vor den Gefahren früher Konsumschulden durch Ratenkäufe, die gerade bei jungen Menschen den Vermögensaufbau im Keim ersticken. Für die mittlere Generation mit geringerem Einkommen empfiehlt sie staatliche Anreize für Arbeitgeber, um das Sparen durch Automatismen und vermögenswirksame Leistungen spürbar zu erleichtern. Ebenso könnten steuerliche Vorteile für das langfristige Halten von Aktien oder ETF-Sparplänen helfen, deutlich breitere Bevölkerungsschichten am Wirtschaftswachstum zu beteiligen. Pauschale Förderungen, die unabhängig von hohen Investitionssummen gewährt werden, haben sich im Osten bereits in der Vergangenheit als wesentlich treffsicherer erwiesen.

 

Ein Blick in die Zukunft

 

Trotz der teils ernüchternden Zahlen blickt die Wirtschaftsforscherin sehr optimistisch in die ostdeutsche Zukunft. Besondere Hoffnung setzt sie auf die junge Generation, die höchst motiviert ist und sich zunehmend über soziale Medien eigenständig Finanzwissen aneignet. Es bleibt nun abzuwarten, ob die aktuellen politischen Entscheidungsträger im Bund diese wissenschaftlichen Impulse aufgreifen und die Förderlandschaft in der neuen Legislaturperiode entsprechend anpassen. Klar ist jedenfalls, dass eine echte Angleichung der Lebensverhältnisse nur dann gelingen kann, wenn die Barrieren bei der Vermögensbildung endlich gezielt abgebaut werden.

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