Altenburg, 03.05.2026 23:00 Uhr

Regionales

12:08 Uhr | 19.03.2026

Die anhaltende Vermögenskluft: Warum der Osten anders spart

Diesen Beitrag jetzt bestellen

Bestellen Sie jetzt diesen Beitrag auf einem Medium nach Ihrer wahl.
Beitrag: Die anhaltende Vermögenskluft: Warum der Osten anders spart

Ursachenforschung im Altenburger Land

 

Die Wirtschaftsvereinigung Altenburger Land (WAMM e.V.) widmete sich in ihrer aktuellen Ausgabe von "Bube & Dame" der anhaltenden Vermögenskluft zwischen Ost- und Westdeutschland. Als Expertin war die Wissenschaftlerin Dr. Natalie Herdigen vom Institut für angewandte Wirtschaftsforschung in Tübingen zu Gast. Sie stellte die Ergebnisse einer detaillierten Studie vor, die ursprünglich vom ehemaligen Ostbeauftragten der Bundesregierung in Auftrag gegeben wurde. Auch mehr als drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung hinkt der Osten beim Vermögensaufbau noch immer spürbar hinterher.

 

Erben, Sparen und die Angst vor dem Kapitalmarkt

 

Ein Hauptgrund dafür ist die ungleiche Vererbungssituation, da in den neuen Bundesländern seltener und in geringerem Umfang Immobilien oder Kapital weitergegeben werden. Zudem sparen die Ostdeutschen aufgrund eines niedrigeren Einkommensniveaus nicht nur weniger, sondern auch deutlich konservativer. Eine ausgeprägte Skepsis gegenüber dem Kapitalmarkt führt dazu, dass Gelder oft unrentabel auf dem Sparbuch landen, anstatt in renditestarke Anlageformen zu fließen. Ein weiteres massives Hindernis ist das mangelnde Finanzwissen, das in ostdeutschen Familien historisch bedingt seltener von Generation zu Generation weitergegeben werden konnte.

 

Wenn staatliche Förderung ins Leere läuft

 

Bisherige staatliche Förderprogramme verfehlen oft ihre Wirkung, da sie zumeist direkt an den kostspieligen Erwerb von Immobilien geknüpft sind. Viele Ostdeutsche erreichen jedoch aufgrund der geringeren Einkommen gar nicht erst die finanzielle Schwelle, um ein Eigenheim zu finanzieren und somit überhaupt förderfähig zu sein. Die Forscherin plädiert daher für eine umfassende nationale Finanzbildungsstrategie, um diese gefährlichen Wissenslücken frühzeitig zu schließen. Eine konkrete Idee sei die Einführung einer sogenannten Frühstartrente, bei der der Staat von Geburt an monatlich einen Betrag für Kinder anlegt, um sie sicher an den Kapitalmarkt heranzuführen.

 

Lösungsansätze für Jung und Alt

 

Gleichzeitig warnt die Expertin eindringlich vor den Gefahren früher Konsumschulden durch Ratenkäufe, die gerade bei jungen Menschen den Vermögensaufbau im Keim ersticken. Für die mittlere Generation mit geringerem Einkommen empfiehlt sie staatliche Anreize für Arbeitgeber, um das Sparen durch Automatismen und vermögenswirksame Leistungen spürbar zu erleichtern. Ebenso könnten steuerliche Vorteile für das langfristige Halten von Aktien oder ETF-Sparplänen helfen, deutlich breitere Bevölkerungsschichten am Wirtschaftswachstum zu beteiligen. Pauschale Förderungen, die unabhängig von hohen Investitionssummen gewährt werden, haben sich im Osten bereits in der Vergangenheit als wesentlich treffsicherer erwiesen.

 

Ein Blick in die Zukunft

 

Trotz der teils ernüchternden Zahlen blickt die Wirtschaftsforscherin sehr optimistisch in die ostdeutsche Zukunft. Besondere Hoffnung setzt sie auf die junge Generation, die höchst motiviert ist und sich zunehmend über soziale Medien eigenständig Finanzwissen aneignet. Es bleibt nun abzuwarten, ob die aktuellen politischen Entscheidungsträger im Bund diese wissenschaftlichen Impulse aufgreifen und die Förderlandschaft in der neuen Legislaturperiode entsprechend anpassen. Klar ist jedenfalls, dass eine echte Angleichung der Lebensverhältnisse nur dann gelingen kann, wenn die Barrieren bei der Vermögensbildung endlich gezielt abgebaut werden.

weitere Meldungen aus dieser Rubrik

03.05.2026

Gott ImPuls am 3. Mai 2026

Gottesdienst für das Altenburger Land mit Daniel Chmell   [mehr]

28.04.2026

„Pauls fulminante Weltreise“ macht Halt in Ungarn

Schnallt euch an (oder lockert den Gürtel schon mal für die Häppchen): Die Koffer sind zu, das Fernweh ist verpackt! Am Mittwoch, den... [mehr]

30.04.2026

Altenburger Theater öffnet wieder - als neues Interim

Altenburg - Wenn eine Baustelle zur scheinbar unendlichen Geschichte wird, ist Erfindergeist gefragt. Genau den muss das Theater... [mehr]

22.04.2026

Internationale Sketchbook-Ausstellung

Altenburg. Wo begegnen uns Gerechtigkeit und Frieden im Alltag? Wo fehlen sie? Und wie sähe unsere Welt aus, wenn sie vollkommen gerecht... [mehr]

24.04.2026

Thüringen.TV

Geschichten und Beiträge aus dem Freistaat [mehr]

28.04.2026

Schulkinder pflanzen Bäumchen

Diesen Schultag werden sie nicht so schnell vergessen: 43 Mädchen und Jungen der Grundschule Karolinum halfen jetzt der Stadt bei... [mehr]

30.04.2026

Landratsamt empfiehlt Reise-Impfung

Altenburg. Der Sommer steht vor der Tür und mit ihm die heiß ersehnte Reisezeit, wenngleich es natürlich ganzjährig rund um den Globus... [mehr]

22.04.2026

Auf dem Dorf ist eh nichts los? Von wegen!

Während anderswo oft über fehlende Freizeitangebote gemeckert wird, drehen die Jugendlichen in Bornshain den Spieß einfach um: Machen... [mehr]

28.04.2026

Altenburg entdeckt Altenbourg

Mit dem Schaufenster-Spaziergang „Altenburg entdeckt Altenbourg“ macht das Lindenau-Museum Altenburg vom 5. Mai bis zum 23. August 2026... [mehr]

AGB TV - Livestream
Neu in der Mediathek

Kultur im Altenburger Land

Kultur im Altenburger Land

Sendung vom 30.04.2026

Bericht aus Erfurt - Landtag aktuell

Bericht aus Erfurt - Landtag aktuell

Sendung vom 23.04.2026

45 Minuten Thüringen

45 Minuten Thüringen

Sendung vom 23.04.2026