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Regionales

15:44 Uhr | 15.02.2021

Der Viaduktweg nimmt Fahrt auf.

Seit Januar ist Geschäftigkeit auf der ehemaligen Bahntrasse zwischen Kotteritz und Beiern zu beobachten. Viele Anwohner haben bei ersten Spaziergängen auf dem Bahndamm ihre Neugierde befriedigt und waren überrascht, denn mittlerweile ist auf der ehemaligen Bahnstrecke der Schotter geebnet und eine Sandschicht aufgebracht worden. Ein Wanderweg von der Pleiße bis zur Wyhra entsteht. 

 

Die NABU-Stiftung „Nationales Naturerbe“ hatte 2016 die Bahntrasse erworben. Die landschaftsprägenden Viadukte blieben im Eigentum der Deutschen Bahn. Der Viaduktradwegverein hat mit der Bahn vereinbart, die Viadukte zu pachten, um sie zukünftig für Wanderer und Radfahrer zugänglich zu machen. Die Entwicklung des Bahndammes zu einem „Naturerlebnisweg“ für Wanderer und Radfahrer wurde von der NABU-Stiftung vertraglich in die Hände der Naturforschenden Gesellschaft Altenburg, die auch das Naturkundemuseum Mauritianum betreibt, gelegt. Naturentwicklung und Naturerleben sollen miteinander verbunden werden, ganz nach dem Slogan des NABU „Für Mensch und Natur“. 

 

Nach mehreren Anläufen in den vergangenen Jahren konnte die Naturforschende Gesellschaft Ende letzten Jahres Fördermittel vom Thüringer Umweltministerium erhalten, welche für die Entwicklung eines durchgehenden Sandbandes als Lebensraum und Wanderkorridor für vom Aussterben bedrohte Insekten sorgen soll. Gerade die Insekten, die an besonnte Sandflächen angewiesen sind, stehen auf den Roten Listen ganz oben. Um dieses Sandband offen zu halten, ist eine Nutzung als Wanderweg förderlich. Der Wanderer erhält den Nistplatz der Wildbiene und den Wanderkorridor für sonnenhungrige Insekten offen, denn für den Wanderer und auch den Radwanderer muss man die Trasse pflegen. So können Mensch und Natur voneinander profitieren.

 

Doch gleichzeitig wird auf diesem „Kleinen Grünen Band“ ein weiteres Projekt umgesetzt, welches der Pflege der Strecke und dem Biotopverbund dient. Perspektivisch soll der Bahndamm sowie die an der Strecke liegenden ehemaligen Bahnhöfe von Ziegen und Schafen gepflegt werden. Als „Triftweg“ verbindet das Band die Pleiße- mit der Wyhraaue. Die ehemaligen Bahnhofplätze sollen die „Halte- und Übernachtungspunkte“ der Herde werden, welche tagsüber die Strecke pflegen. Ab und zu wird der Wanderer die Strecke mit den vierbeinigen Landschaftspflegern teilen müssen, doch meist ist die Trasse sehr breit, so dass man sich aus dem Weg gehen kann. Damit die Vierbeiner das aufkommende Grün des Weges und nicht die Saat des Landwirtes frisst, wird auf der Grundstücksgrenze ein Koppelzaun mit zwei Drähten gespannt. Die Drähte werden nur, wenn die Schafe und Ziegen in dem Trassenbereich sind, Strom führen. Bewusst wurde nur diese Variante mit zwei Drähten gewählt, da Rehe diese passieren. 

 

Der Abschluss der Arbeiten ist für März geplant, so dass ab dem Frühjahr die Nutzung der Strecke möglich ist. An Auffahrten werden verschlossene Weidetore Autos an der Zufahrt hindern. Neben den Toren befinden sich, jeweils versetzt, für Besucher offen stehende Türen. So wird auch verhindert, dass Radfahrer über die querenden Wege und Straßen rasen. Der Viaduktweg steht für Entschleunigung und Naturgenuss, nicht für Rennfahrten auf Asphalt.

 

Die Finanzierung erfolgte mit Mitteln des Freistaats Thüringen und des Bundes (Mittel der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes/ Sonderrahmenplan Insektenschutz“).

 

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