13:52 Uhr | 24.08.2026
Die Blaue Flut nördlich der Stadt Altenburg hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Um 1800 dokumentierte Carl Friedrich Waitz, Botaniker der Naturforschenden Gesellschaft in Altenburg, auf den Wiesen am Wolfenholz und bei Rasephas typische Pflanzen der nassen Auen, darunter die Sumpfdotterblume. Bald jedoch wurde die Blaue Flut zum Abwasserkanal der Stadt. Ihren Namen hatte sie sicherlich schon durch die Abwässer der Textilfärbereien erhalten, doch mit der zunehmenden Industrialisierung wurde aus dem Bach ein stinkender Abwassergraben.
Die Aue wurde weiter überbaut, und um 1900 entstand auf den Rasephaser Wiesen der hohe Bahndamm, der die Aue zerschnitt. Ab den 1950er-Jahren erfolgten massive Bachbegradigungen, um das Abwasser schnell abzuleiten. Die Wiesen unterhalb der Kasernen wurden zudem von den dort stationierten sowjetischen Truppen genutzt.
Erst nach der politischen Wende verbesserte sich die Wasserqualität. Zum einen, weil die Industrie in Altenburg zusammenbrach, zum anderen, weil die Hausabwässer der neuen zentralen Kläranlage bei Primmelwitz zugeführt wurden. Schon kurz nach der Wende schlug das Mauritianum in einem Gutachten vor, die Blaue Flut wieder in ihr ursprüngliches, mäandrierendes Bett zu legen. Dieser Vorschlag wurde von der Unteren Naturschutzbehörde aufgegriffen.
Im Zuge des Baus der Umgehungsstraße wurde die Blaue Flut als Ausgleichsmaßnahme renaturiert und die Wiesen wurden wiederhergestellt. In mehreren Förderprojekten, finanziert durch die EU und das Land, führte das Mauritianum beziehungsweise die Naturforschende Gesellschaft weitere Renaturierungsmaßnahmen durch. Seit 2013 lässt der NABU Altenburger Land zudem eine kleine Herde Wasserbüffel auf den Wiesen grasen.
Heute ist auch der ehemals begradigte Teil der Blauen Flut Bestandteil eines weiteren Renaturierungsprojekts. Welche Funktion dieser Abschnitt am alten Bahndamm künftig haben soll und welche Maßnahmen dort umgesetzt wurden, möchte die Naturforschende Gesellschaft interessierten Bürgerinnen und Bürgern bei einer „Baustellenexkursion“ am 30. August um 10 Uhr vorstellen. Die Teilnahme ist ohne Anmeldung und kostenfrei möglich.
Treffpunkt ist in Rasephas am nördlichen Ende des Bauernweges.
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